Das Kruzifix
Das wertvolle Kruzifix von San Leonardo zählt zu den ältesten Kruzifixen, die im Gargano verehrt werden.
In diesem Kunstwerk verschmilzt der Stil der orientalischen Ikonenmalereien mit dem der Skulpturen vom Norden der Alpen, den erst die Normannen und die Staufer und später die Anjou in Apulien eingeführt haben.
Die Begegnung dieser zwei Kulturen führte zur Entstehung einer lokalen Künstlerwerkstatt, die mit eigenen Mitteln und Techniken arbeitete und ihrerseits eine Werkstatt für Einlegearbeiten ins Leben rief, die sogar in einem dichterischen Werk von Flodoard von Reims aus dem 10. Jahrhundert erwähnt wird.
Die Skulptur, die 2,44 m hoch und 2,20 m breit ist, wurde in einer Ecke der Kirche entdeckt, doch ursprünglich befand sie sich über dem ersten barocken Altar rechts vom Portal auf der südwestlichen Seite, der 1947 während der Restaurierungsarbeiten zerstört wurde.
Das Kruzifix wurde 1957 nach Rom transportiert, um auf Kosten des Staates im Istituto Centrale del Restauro restauriert zu werden. Die Kosten der Beförderung dorthin wurden vom 1955 gegründeten Bürgerausschuss übernommen.
Während der Restaurierung des Körpers und des Lendenschurzes von Christus wurden Spuren von weißer, hellblauer und roter Farbe gefunden.
Dies stützt die Hypothese, dass das Kruzifix von San Leonardo aus byzantinischer Zeit stammt und von der Kunst nördlich der Alpen beeinflusst worden ist.
Im Jahr 1958 wurde es zur Weltausstellung nach Brüssel geschickt, wo es im Pavillon des Vatikans ausgestellt wurde und die Bewunderung zahlreicher Besucher auf sich zog.
Danach wurde es allerdings nicht der Kirche San Leonardo zurückgegeben, sondern dem Amt für Denkmalpflege von Bari überstellt und später in der im Castello Svevo von Bari untergebrachten Pinakothek ausgestellt.
Jahrelange Proteste und Forderungen seitens der Kirche, kultureller Einrichtungen und der Presse blieben erfolglos.
Dank des Einsatzes von Bürgerinitiativen und der Unterstützung der Dokumentationsstelle für Geschichte kehrte es nach knapp 30 Jahren am 24. April 1985 aber doch wieder nach Manfredonia zurück.
Heute wird es in einer Kapelle der Kathedrale aufbewahrt und kann dort von allen bestaunt und verehrt werden.
Übersetzung im Rahmen des Kurses Traduzione tra l'italiano e il tedesco I an der Universität Bologna / SSLMIT Forlì
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