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Das Portal

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Das PortalDas prächtige Portal an der nördlichen Seitenfassade der Kirche San Leonardo ist eines der schönsten Portale der apulischen Romanik. Hochinteressant ist auch die Wahl der Symbole, die den Bau dieses Portals inspiriert haben und auf welche im Folgenden detailliert eingegangen wird.

Der Löwe auf der rechten Seite des Portals, der eine nackte menschliche Figur im Maul hat, mahnt uns gemeinsam mit dem Apostel Petrus, nüchtern und wachsam zu sein, denn unser „Widersacher, der Teufel, geht wie ein brüllender Löwe umher und sucht, wen er verschlingen kann“ (1. Brief Petrus 5,8).

Der Löwe auf der linken Seite dagegen, mit einem Fisch im Maul (Ichthys ist das griechische Monogramm für Jesus Christus, Gottes Sohn, den Erlöser), repräsentiert den Christen, der sich von Christus (d.h. vom eucharistischen Brot) ernährt und über die Glaubenslehre von Jesus, dem Erlöser der Menschheit, nachdenkt. Dadurch wird er - so der Heilige Johannes Chrysostomus - stark wie ein Löwe, gefürchtet vom Teufel, dem Urheber alles Bösen.

Die mittelalterliche Mystik bringt Bewegung in den gesamten Skulpturenschmuck, vom Gewände bis zum Tympanon. Dort dominiert zwischen zwei anbetenden Engeln die Figur von Jesus Christus, dem Heiland und neuen Gesetzgeber. Anfang und Ende, Alpha und Omega, so der Evangelist Johannes, der hier von einem Adler symbolisiert wird, der den eingemeißelten Namen „Joh’es“ (Johannes) trägt, und der auf dem Bogen rechts von der Christusfigur dargestellt ist.

Auf der gegenüberliegenden Bogenseite befindet sich auf derselben Höhe eine geflügelte menschliche Figur mit einem Buch in der Hand, die den Evangelisten Matthäus symbolisiert.

Darunter, auf der einen Seite, steht der geflügelte Stier für den Evangelisten Lukas, während der Löwe auf der anderen Seite als Symbol für den Evangelisten Markus gilt.

Auf demselben Bogen steht ein Kentaur mit einer Kithara, der David symbolisiert, einem gehörnten Ungeheuer gegenüber, das Christus den Rücken zuwendet und somit den Antichristen darstellt.

Im Bogenscheitel finden wir die Hirschkuh als Symbol für die sich nach Gott sehnende menschliche Seele, der sich der Teufel in Form eines großen Drachens entgegensetzt.

Auch die Abschnitte zwischen Basis und Kapitell sind auf beiden Seiten voll von Symbolen: der bogenschießende Kentaur, der von einem Krieger getötete Drache, der Hase, der Trauben fressende Fuchs, der Adler und die insgesamt dreimal dargestellte Hirschkuh sowie die zwei aneinandergelehnten Löwen mit einem einzigen gemeinsamen Kopf, die auf einer affenähnlichen Figur sitzen, und schließlich der Junge, der Trauben erntet.

Besonders sehenswert sind die beiden Kapitelle des Portals. Auf dem linken ist eine Figur mit Esel dargestellt, die als der Pilger auf dem Weg zum Gargano fehlinterpretiert wurde. Sie ist jedoch ganz klar auf die Bibelpassage von Bileams Esel bezogen, und zwar aus zweierlei Gründen: erstens wegen des Engels des Herrn, der hier mit gezücktem Schwert erscheint und vor dem der Esel das Haupt senkt, zweitens wegen der auf dem rechten Kapitell dargestellten Heiligen Drei Könige bei der Anbetung des Kindes.

Die linke Szene spiegelt genau die folgende Bibelpassage wider: „Am Morgen stand Bileam auf, sattelte seinen Esel und ging mit den Hofleuten aus Moab. Aber Gott wurde zornig, weil Bileam mitging, und der Engel des Herrn trat Bileam in feindlicher Absicht in den Weg [...]. Der Esel sah den Engel des Herrn auf dem Weg stehen, mit dem gezückten Schwert in der Hand, und er verließ den Weg und wich ins Feld aus.“ Und bei der dritten Erscheinung des Engels des Herrn „ging er unter Bileam in die Knie“ (Numeri 22).

In der rechten Szene erscheint der Stern, der die Heiligen Drei Könige geleitet hat. Das Orakel von Bileam berichtet von der Geburt des Messias: „Ein Stern geht in Jakob auf, / ein Zepter erhebt sich in Israel“ (Numeri 24, 17).

Nach der für den heiligen Michael vom Monte Gargano typischen Ikonographie wird der Erzengel Michael gezeigt, als er gerade den Drachen durchbohrt, welcher sich um seine Füße windet.

An der freien Stelle über dem Portal, zwischen einem Pilger und dem heiligen Leonhard von Noblat, war wohl einst eine Darstellung von der Jungfrau mit ihrem Kind zu finden. Leonhard, der Schüler des Bekehrers der Franken, Remigius von Reims, wird mit dem Evangelium in der einen Hand und den Ketten in der anderen dargestellt, was das ewige Heil und die Reinheit der Seele von Sünden symbolisiert.

Sowohl wegen der künstlerischen Ausführung als auch wegen der starken, tief wurzelnden Religiosität werden diese Skulpturen auf das Ende des 12. Jahrhunderts datiert, als die Kirche noch den Augustiner-Chorherren unterstand. Sie rufen dem Betrachter Bibelepisoden und -zitate in Erinnerung, die im Alten Testament und im Buch der Apokalypse stehen.

Detail des Nordportals

Portallöwe rechtsPortallöwe linksChristus zwischen Engeln Heiliger Johannes (Adler)Heiliger Matthäus (geflügelte menschliche Figur)

Heiliger Lukas (Stier)Heiliger Markus (Löwe)David (Kentaur mit der Kithara)Gehörntes Ungeheuer Hirschkuh

DracheBogenschießender KentaurGetöteter DracheHaseFuchs

AdlerHirschkuhLöwenTrauben erntender JungeBileams Esel

Anbetung der KönigeDer Erzengel MichaelDer heilige Leonhard von NoblatPilgerLünette mit Lotusblüte

 

Übersetzung im Rahmen des Kurses Traduzione tra l'italiano e il tedesco I an der Universität Bologna / SSLMIT Forlì